Ottawaaaa!!!

Der Wetterbericht  sieht alles andere als Fahrradfreundlich aus und ich beschließe meinen Aufenthalt in Quebec noch fünf Tage zu verlängern. Am ersten Tag fahre ich zu den Wasserfällen vor Quebec. Das Wetter hält sich und ich fahre 30km im Flachen ohne Gepäck, so einfach kann Radfahren sein.

Tag zwei verbringe ich fast komplett im Museum. Gegen Mittag stehe ich vor einer Videoinstallation. Eigentlich mag ich sowas, aber das hier ist ziemlich langweilig, jemand hat an vier Orten buddhistische Glöckchen gefilmt. Elf Stunden lang… Auch der Ton ist eher einschläfernd. Ich habe auf einem der großen Sitzsäcke einen entspannten Mittagsschlaf.


Tag drei wird Wäsche gewaschen und Sonntag geht es dann endlich wieder aufs Rad.
Der Weg nach Ottawa ist weitgehend flach, immer am Lorenzstrom entlang. Der Fluss ist absolut gigantisch, an manchen Stellen bis zu einem Kilometer breit, selbst die großen Frachtschiffe sehen darauf ziemlich einsam aus.
Ich komme super voran und fahre bis zu 125 km am Tag. Der Fährbetrieb ist wegen Hochwasser eingestellt, macht Mittwoch 20km Umweg für mich. Auch der Radweg geht hier schon mal unter.


Ansonsten ist die Landschaft eher landwirtschaftlich geprägt. 

Mittwoch Abend komme ich auf den Prescott Russel Trail. Eine ehemalige Eisenbahnstrecke. Die Eisenbahnlinien wurden gebaut als Canada noch ziemlich leer war und fuhren schnurgerade durch die Landschaft. Mein Navi gibt das Kommando 50km geradeaus zu fahren.
Danach geht es noch einmal 26km geradeaus bis nach Ottawa.


Das Wetter wird auch langsam besser und ich habe die ersten beiden anderen Fernradler getroffen. Am ersten Tag einen Studenten, er ist nur drei Tage unterwegs und setzt auf Hängematte plus Tarp für die Nacht. Abends fängt es an zu regnen als ich gerade drei Minuten im Zelt bin. Super Timing. Morgens ist der Regen auf dem Zelt gefroren trotzdem hatte ich eine wunderbare Nacht ohne zu frieren. Morgens an der ersten Tankstelle treffe ich den Studenten wieder und wir trinken ein Heißgetränk zum Aufwärmen. Seine Schuhe sind im Regen nass geworden und nachts gefroren, das Anziehen war wohl ziemlich eklig. Es gibt ein paar Sachen die mir bis jetzt erspart geblieben sind…
Dienstag Abend setzt der Regen wieder ein. Es regnet einfach immer weiter und nachts läuft das Wasser zwischen meine Plane unter mein Zelt und drückt sich dann durch den Zeltboden. Meine Isomatte ist komplett nass auf der Rückseite. Aber mein Schlafsack ist trocken geblieben und alle anderen Sachen auch, sie waren entweder in meinen Packtaschen oder oben auf. Regengeneralprobe also dann doch bestanden. Ich packe das nasse Zelt ein und kann es zum Glück Donnerstag noch ein bisschen in der Abendsonne trocknen lassen bevor ich schlafen gehe.
Canada ist riesig und es findet sich immer problemlos ein Plätzchen für mein Zelt.


Auch habe ich einen tollen Einblick in die Tierwelt Canadas, unzählige Vögel, darunter viele Gänseschwärme und ein paar Adler begleiten mich, ich sehe Murmeltiere und den ersten Waschbären. Unheimlich viele Eichhörnchen in grau, schwarz und rot. Besonders freue ich mich über die riesigen tollpatschigen Truthähne die in Gruppen bis zu sieben oder acht Tieren durch den Wald streichen. Sie sind leider unheimlich scheu und bis ich meinen Fotoapparat gezückt habe längst verschwunden.
Die richtigen Stars der Wildnis, Elche, Bären und Wölfe habe ich auf meiner Strecke aber noch nicht gesehen.


Ich habe für die 480km 5 Tage gebraucht statt der veranschlagten 6.
Sehr zufrieden beziehe ich meine Jugendherberge. Sie war früher ein Gefängnis und hat viel von ihrem alten Charme erhalten.

Ich gönne mir eine Einzelzelle für zwei Nächte, heute ist also Towntag bevor es wieder auf das Rad geht. Bis Toronto sind es 400km,aber auch 2000 Höhenmeter. Also wieder 5 bis 6 Tage on the Road. Vorher muss ich aber noch auf das Wetter gucken, sah gestern Abend in Teilen von Canada ziemlich ungemütlich aus…

 

6 thoughts on “Ottawaaaa!!!

  1. Milena

    Wow, soweit bist du schon gekommen. Den Bericht werde ich mit Sicherheit noch 3-4 x lesen um alle Informationen zu verarbeiten 😉

  2. Stefan

    Sehr cool.
    Also das Gefängnis als Jugendherberge sehr geile Idee. Und das ganze in schwarz-weiß. Sehr genial.

    Deine Berichte lesen sich echt toll.

    • sven

      Daaanke!
      Das Gefängnis haben sie übrigens in den 70ern geschlossen weil es unhuman war – ein Jahr später war es schon ne Jugendherberge…

  3. Markus Fischer

    Hallo Bruderherz,

    nicht dass du denkst wir würden dich vergessen: Wir feiern am 20.05. (dieses Jahr!!!) unsere Einweihnungsfeier. Wenn du also nicht allzu viel zu tun hast, kannst du ja gerne mal vorbei kommen 🙂
    Wir würden dich auch vom Flughafen abholen…

    LG Markus

    PS: Haben sie dich aus dem Gefängnis denn wieder raus gelassen?

  4. Vanessa Wagner

    Es ist soooo spannend was Du erlebst! Mach schön weiter so, wir sind voll bei Dir. Freue mich auf Deinen nächsten Bericht ?

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