Jede Menge Wasser…

Ich verlasse Ottawa nach einem ordentlichen Knastfrühstück an einem schönen sonnigen Tag. Auf dem Weg aus der Stadt gebe ich mein erstes Liveinterview für CBC.

Ich fahre bis ich Abends auf den Highway 7 stoße. Auf meinem Navi steht tatsächlich “folgen sie der Straße für 107 km” . Aber heute nicht mehr, nach 4 Kilometern finde ich einen kleinen Platz für mein Zelt. Der Highway kann warten.

Sonntagmorgen fängt es an zu regnen. Und es regnet immer weiter während ich über den Seitenstreifen von Highway 7 fahre. Mit Rastplätzen haben sie hier echt gespart, es gibt keine Chance sich hinzusetzen. Ich brauche doch nur ein kleines Dach, auf eine Bank würde ich sogar verzichten. Aber es gibt nix. Nach 90km halte ich an einer Burgerbude. Die Angst das sich ein Kunde verbrennen könnte scheint auch in Canada groß und ich mümmel meinen nicht mal lauwarmen Burger bevor ich meine letzten Kilometer auf Highway 7 hinter mich bringe. Ich Zelte Abends direkt an einer Seitenstraße auf dem Grünstreifen. Nicht Ideal, aber ein Platz für mein Zelt. Die Nächte sind kalt, lassen sich aber warm eingepackt gut wegstecken. 

Am nächsten Tag nimmt der Regen tatsächlich noch mal zu, am Abend bin ich trotz Regenklamotten komplett naß. Ich bin froh als ich Abends im Zelt bin und meine trockenen, warmen Zeltsocken anhabe! Bis zum nächsten Ziel Toronto sind es nur noch 80km und als ich im Zelt liege hört es tatsächlich auf zu regnen. 

Dienstagmorgen muss ich meine nassen, kalten Sachen wieder anziehen. Ich brauche fast eine halbe Stunde um mich zu überwinden meinen warmen Schlafsack gegen die durchnässte Hose zu tauschen. Ein paar nasse Sachen klemme ich zum trocknen auf den Gepäckträger. Ich bin erst den vierten Tag unterwegs und beschließe Toronto zu überspringen falls ich gutes Wetter habe. Wenn ich heute 120km schaffe kann ich es Mittwoch bis nach Niagara Falls schaffen!

Ich fahre los und tatsächlich kommt gegen zehn die Sonne das erste mal seit drei Tagen zum vorschein und wärmt meinen Rücken, ich bin hochmotiviert und trete in die Pedale. Zehn Minuten später ist die Sonne verschwunden, zwanzig Minuten später fängt es wieder an zu regnen und kurz danach bekomme ich heftigen Gegenwind….

Der Tag ist bisher der schlimmste meiner Tour, es ist naß, kalt und ich kämpfe furchtbar mit dem Wind. Am liebsten würde ich mein Rad in ein Kornfeld schmeißen und den Bus nehmen! Doch es gibt weder Korn noch Bus, also fahre ich weiter. Mittags buche ich ein Zimmer für zwei Nächte in einem Hostel in Toronto. Nur der Gedanke an eine warme Dusche und ein gemütliches Bett treiben mich jetzt noch an und ich erreiche Toronto noch vor der Dunkelheit.

Mittwoch ist Towntag, die Sonne strahlt als wäre nichts gewesen und ich mache einen langen Spaziergang durch Toronto. Im T-Shirt. Was für eine hässlich statt! Toronto begeistert mich mal so gar nicht, eine komplett anonyme Stadt mit riesigen Hochhausschluchten. Einzig Chinatown kann ich was abgewinnen.

Der Wetterbericht zeigt für den Rest der Woche Regen an und in den Nachrichten warnen sie vor Unwettern und jede Menge Regen. Aber die Hostel in Toronto sind voll und auf ein Hotel will ich nicht ausweichen. Es gibt ein Hostel in Niagara Falls mit freien Betten, einem Kaminzimmer und sogar eine Sauna, da muss ich hin. Niagara Falls liegt auf der anderen Seite von Lake Ontario und ich überlege die Fähre zu nehmen. Zu meiner großen Überraschung gibt es gar keine Fährverbindung, also dich das Rad. Luftlinie sind es 62km,aber ich muss um den See, also 155km fährt, zwei Tage bei unwetter. Das Unwetter ist erst für Donnerstag Mittag gemeldet, ich beschließe früh los zu fahren und ohne Übernachtung auszukommen.

Donnerstag sitze ich morgens um sechs auf dem fertig bepackten Rad, habe es sogar geschafft vorher zu frühstücken. Es wird gerade hell und die Stadt liegt noch im Tiefschlaf. Dazu ist es trocken und angenehm warm, die Fahrt durch die leeren Straßen kann beginnen. Nur ein paar Jogger und eine Vielzahl Eichhörnchen sind mit mir unterwegs, so gefällt mir sogar Toronto. Vom See aus und im Morgenlicht mache ich noch ein Abschiedsfoto von der Stadt, dann heißt es Kette rechts!

 

Die Strecke ist flach und ich komme gut voran. Gegen Mittag ist mein Freund der Regen wieder da, aber es bleibt windstill und einigermaßen warm. Unwetter sehen anders aus. Aber manchmal sind die Kanadier eben ein bisschen weich…

Ich fahre bis zwei Uhr durch und habe schon 120km geschafft, fehlen noch 35, die Schaffe ich auch noch. Aber vorher werden die Kohlenhydratspeichet wieder aufgefüllt! Es gibt eine warme Suppe, ein riesen Sandwich, einen Liter Cola und als Nachtisch zwei Teilchen und einen großen Kakao. Zufrieden steige ich wieder aufs Rad und bin um viertel nach fünf im Hostel. Den Kamin gibt es wirklich, die Sauna leider nicht. Dafür gehe ich lange und heiß duschen und als ich fertig bin ist es wirklich ein bisschen wie in der Dampfsauna ?

3 thoughts on “Jede Menge Wasser…

  1. Milena

    Regen, Regen, Regen… wenn nicht der Gedanke wäre das irgendwann darauf Sonnenschein folgt, würde man sicherlich verzweifeln. Auch wir genießen hier den verregneten Langzeit-Herbst, nichts glänzt schöner als nasses Grün.
    Bin gespannt auf deinen nächsten Bericht 🙂

  2. Bruni

    Ich dachte immer, Toronto wäre so schön …. Hätte da ja mal fast für 1 Jahr gearbeitet … na ja, habe ich wohl doch nichts da verpasst ! Ich schick’ Dir mal ein grosses Paket Sonne rüber 😉

  3. sven

    Ja, denen die da arbeiten sollen erzählen sie das bestimmt ?
    Gibt wohl ein paar schöne Ecken, aber Quebec hat mir zb deutlich besser gefallen.
    Ja, her mit der Sonne, ich nehm sie ?

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