Howdy!

Montag morgen bleibe ich viel zu lange im Youth Hostel an den Niagarafällen, es sind kaum Gäste da und ich unterhalte mich noch lange mit dem Team.
Dafür komme ich mit dem Rad trotz leichtem Gegenwind gut voran. Abends bin ich in einer größeren Stadt und finde lange keinen Schlafplatz und entscheide mich für einen kleinen Park. Nicht ideal, aber ok. Um halb zehn steht die Polizei vor meiner Plane, ein Nachbar hat sie gerufen. Die beiden sind sich ziemlich unsicher ob ich hier schlafen darf und reden noch mal mit dem Anrufer und telefonieren noch ein bißchen bevor sie mich bitten, vielleicht doch besser woanders zu schlafen. Aber die beiden sind unheimlich nett und sagen mir auch wo ich schlafen darf. Also einpacken und aufs Rad. Der Weg, dem ich folgen soll, hört leider an einer Straße auf und ich finde nicht die Stelle an der es weiter geht. Also geht es zurück auf meine Route. Die Nacht ist wunderschön, der Wind hat aufgehört, es ist angenehm warm und der Mond scheint für mich extrahell. Ich genieße die Nachtfahrt richtig, es wäre wirklich schade gewesen sie zu verschlafen! Nach zehn Kilometern komme ich tatsächlich wieder auf den Trail den die beiden mir empfohlen haben. Am Anfang steht ein Schild mit diversen Regeln, unter anderen campen verboten, aber das kann man im Dunkeln wirklich schlecht sehen! Außerdem bin ich schon lange raus aus der Stadt und hier wird sich schon niemand beschweren. Ich suche mir eine schöne Stelle und um Mitternacht liege ich wieder im Zelt.
Mittwoch mittag reise ich wieder in die USA ein. Zwischen den großen Seen bildet der St. Claire River die Grenze. Ich nehme die Fähre und komme an einen kleinen Grenzposten. Der Beamte hat gute Laune und die Einreise dauert keine zehn Minuten, I’m back in the USA! In den Staten werde ich mit einem herzlichen Howdy empfangen und das macht mir jedes mal einen riesen Spaß!


Die nächsten Tage fahre ich ohne besondere Vorkommnisse, vorbei an vielen Farmen, Äckern, Feldern und durch ein paar kleine Städte. Die Dörfer hier bestehen aus ein bis zehn Häusern, ab und zu gibt es eine Tankstelle, hier bekommt man alles was man braucht, kann shoppen und es gibt auch immer eine Pizza oder ähnliches zum snacken. Ein paar der kleinen Städte, durch die ich komme, haben sogar ein paar Geschäfte, aber im allgemeinen gibt es hier eher viele Farmen und wenig Infrastruktur. Man muss sich hier da versorgen wo es gerade etwas gibt, ich fahre noch 20km und esse dann im nächsten Dorf Indisch oder ähnliche Pläne können daran scheitern das die nächsten 50km gar nichts kommt. Also fülle ich vor allem meine Wasservorräte immer sehr regelmäßig auf.  So fahre ich ein paar Tage durch die Landschaft, schlafe hinter einer Tankstelle, auf einer Farm und gönne mir einmal einen Campingplatz.

Freitag Abend frage ich auf einem Bauernhof ob ich irgendwo mein Zelt aufschlagen darf. Die Familie ist unheimlich nett zu mir, ich darf mein Zelt hinter einer Scheune aufschlagen und sie lassen die Scheune für mich auf, inklusive Badezimmer und Dusche. Als der Hausherr vom Feld kommt freut er sich unheimlich das ich da bin und begrüßt mich mit einem fröhlichen “Grüß Gott”. Ich bin ziemlich überrascht und er erzählt mir das seine Familie aus Franken stammt. Er spricht fränkisch und ich kann ihn super verstehen, leider versteht er mein genuscheltes Hochdeutsch nicht, also antworte ich auf Englisch. Er erzählt mir, das die Gegend um 1840 bis 1850 von Franken aus besiedelt wurde und es wenige Kilometer weiter die Hochburg fränkischen Brauchtums in den USA gibt. Er lädt mich zu einer Stadtführung ein und erzählt unheimlich viel über Land und Leute, es ist ein unheimlich schöner und lustiger Abend. Hier gibt es wirklich alles, sogar ein Oktoberfest. Zum Abschluss zeigt er mir noch das größte Weihnachtsgeschäft der Welt. Es liegt direkt am Ortseingang und ist ein unglaublicher Ort. Aus mehreren Lagerhallen wird ganzjährig Weihnachtskram verkauft. Das Gelände ist reich geschmückt mit Weihnachtsmännern, Engeln, Schlitten und tausenden von LEDs. Auf dem Gelände steht ein originalgetreuer Nachbau der Kapelle in der “Stille Nacht” uraufgeführt wurde und es läuft natürlich ganzjährig aus den Lautsprechern. Eins muss man den Amerikanern lassen, was sie machen machen sie richtig!

Samstag Abend erreiche ich Pinconning, mein nächstes Etappenziel. Hier treffe ich Roy, wir haben uns im Februar in Ecuador kennen gelernt und er hat mich auf seine Farm eingeladen, falls ich mal in der Nähe bin. Das Angebot nehme ich gerne an! Sonntag haben wir eine Menge Farm-fun wie er es nennt. Und ich darf mit seinen Spielzeugen spielen, pflüge ein Feld mit dem Traktor, fälle meinen ersten Baum und ziehe in anschließend mit dem Bulldozer weg. Mein Testosteronspiegel steigt hier massiv an :-).  Sonntag Nachmittag fahren wir seine Eltern besuchen, es ist ja schließlich Muttertag. Seine Schwester ist auch da und ich werde total herzlich aufgenommen. Montag zeigt er mir Pinconning, wir gehen an den See und nachmittags darf ich ein bisschen Bagger fahren. Ich hatte jede Menge Spaß in meiner Zeit als Kleinbauer!

Zum Abschluss ein paar Fotos für alle Freunde squirliger Nager:

4 thoughts on “Howdy!

  1. Lisa

    Hey Sven,
    ich bin seit einer Woche wieder in Deutschland und habe mich gerade ein wenig durch deinen Blog geklickt – macht wirklich Spaß zu lesen!
    Liebe Grüße von Lisa (aus dem Youth Hostel an den verregneten Niagara Fällen 🙂

    • sven

      Hey Lisa,
      Ich dank dir! Schön zu hören das du es gut nach Hause geschafft hast, wie war es denn noch bei euch? Ist ja ziemlich abgesoffen das Land in der Ecke.

      LG aus Wisconsin!
      Sven

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.