Gletscher

Mein Weg führt mich in den 3. großen Nationalpark auf meiner Route, den Glacier National Park, er liegt halb in den USA und halb in Canada. Von den 150 Gletschern die es hier mal ganz gibt es nur noch 25 und auch die werden in 14 Jahren verschwunden sein.
Noch vor der Einfahrt in den Nationalpark finde ich einen Anbieter für Raftingtouren. Da kann ich natürlich nicht fehlen und melde mich für eine Tour an. Wir werden mit dem Bus Fluß aufwärts gefahren und paddeln ihn wieder runter. Es gibt zwar ein paar Stromschnellen, aber richtiges Raftingfeeling kommt trotzdem nicht auf. Auch die Guides sagen das die selbe Tour im Frühling mit mehr Wasser im Fluss deutlich rasanter ausfällt. Dafür können wir doppelt so lange den Blick in den Canyon genießen und das türkise Wasser genießen.


Im Anschluss geht es endlich in den Park, aber ich fahre nur bis zum ersten Campingplatz und hebe mir den Logen Pass mit seinen gut 2000 Höhenmeter für den nächsten Tag vor.

Es geht für mich ungewohnt früh los, der Pass ist zwischen 11 und 16 Uhr für Radfahrer gesperrt. Frechheit!
Also sitze ich schon um kurz nach sechs auf dem Rad und rolle los, fast 50km stetig aufwärts. Die Straße ist aus dem Felsen gehauen und unfassbar schmal,an machen Stellen haben entgegenkommende Autos echte Probleme und hinter der 30 bis 50cm hohen Mauer an der rechten Seite geht es teilweise mehrere hundert Meter steil abwärts, da hält man auch als Radfahrer gerne mal ein bisschen Abstand. Und obwohl sich hinter mir teilweise Schlangen von 10 bis 20 Autos bilden werde ich nicht einmal unvorsichtig überholt, bedrängt oder angehupt, das wäre anderswo bestimmt anders!
Dafür wird man mit einer gigantischen Aussicht belohnt, Berge, Seen und Gletscher reihen sich hier anneinander.


Anfangs genieße ich die Fahrt, mache viele Fotostops und genieße es Höhenmeter zu machen. Aber am späten Vormittag fühle ich mich zunehmend gestresst, die 11 Uhr Sperrung zwingt mich ein bisschen zur Eile und ich verzichte auf ein paar großartige Fotos. Pünktlich um dreizehn vor elf erreiche ich den Gipfel.
Oben lerne ich Kelly kennen, sie hat die selben Packtaschen wie ich und will auch nach Jespa, also beschließen wir die nächsten Tage zusammen zu fahren.
Für die Abfahrt gilt das Zeitlimit nicht, hier ist man eindeutig nicht im Weg. Im Gegenteil, ich werde anregen in der Zeit von 11 bis 16 Uhr den Autoverkehr zu verbieten, die sind hier auf jeden Fall ein Hinderniss! Nach 80 Schönen aber anstrengenden Kilometern kommen wir an unseren Zeltplatz.

Für den nächsten Tag planen wir eine Wanderung und verabreden uns um 6:30 zum Frühstück und um 7 zum Wandern. Wir entschließen uns zu einer 26km Wanderung zu einem Gletschersee inkl. Einem Abstecher auf einen Gipfel. Wir sind früh und schaffen es vor den anderen Touristen auf den Berg. Es geht steil in engen Serpentinen bergauf. Hundert Meter unterhalb des Gipfels haben Goldgräber einen Tunnel durch den Berg getrieben. Wir gehen rund 200 Meter durch den dunklen Tunnel, zurück im Tageslicht erwartet uns ein phänomenaler Ausblick auf die Berge, einen Tannenwald im Tal und einen großen Bergsee. Unser Trail endet am Iceberg Lake, einem See direkt an einem Gletscher in den immer wieder dicke Eisschollen fallen. Wir machen eine lange Pause inkl. Mittagsschlaf und Ramennudeln. Ich glaube nicht das es viele Menschen gibt die in ihrem Leben jemals Ramennudeln mit Gletscherwasser gekocht haben…


Am nächsten Tag wird ausgeschlafen und wir fahren weiter auf die Canadische Seite des Parks. Der Grenzübergang du problemlos, vor uns ist nur ein Auto und die Abfertigung von zwei Radfahren ist unter fünf Minuten geschafft. Das zusammen fahren mit Kelly klappt super, wir fahren nicht wirklich zusammen, bergab ist sie schneller, Bergauf fahre ich etwas schneller und wir fahren selten wirklich zusammen, sondern mehr umeinander rum. Und wir sind beide wenig ambitioniert, machen lange Pausen und genießen die Landschaft. Am Eingang zum Nationalpark in Canada gibt es gute und schlechte Nachrichten. Die gute: zum 150. Geburtstag von Canada ist der Eintritt in alle Nationalparks dieses Jahr umsonst. Die schlechte: alle Campingplätze sind belegt. Aber wir vertrauen darauf einen anderen Radfahrer kennenzulernen mit dem wir uns seinen Platz teilen können. Und tatsächlich, schon als wir auf den Campingplatz kommen lernen wir Scott kennen, der uns einlädt mit auf seinem Platz zu Zelten, läuft.


An unserem ersten Tag in Canada beschließen wir einen Ruhetag zu einzulegen. Also gehen wir Wäsche waschen und dösen so vor uns hin. Außerdem lernen wir eine Nachbarin kennen, Miriam ist aus Frankreich und drei Wochen allein unterwegs. Abends kommt ein weiterer Radfahrer auf den Platz gerollt und in guter Tradition lernen wir ihn auf unseren Zeltplatz ein. Florian will nur kurz nach Jasper, wenden und dann weiter nach Südamerika. Wir haben einen lustigen Abend und kochen superleckeres Essen in vier kleinen Töpfen auf vier kleinen Kochen.


Am nächsten Tag gehen Kelly und ich noch einmal auf Wanderschaft. Wir biegen schon am Anfang falsch ab und landen auf einem komplett anderen Weg als geplant,merken das aber sehr lange nicht. Der Weg ist nicht so spektakulär wie der den wir eigentlich geplant haben, dafür gibt es einen tollen Wasserfall, einen kleinen Bergsee und einen tollen Einblick in Canadas Tierwelt. Wir sehen schon zum Beginn der Wanderung eine große Rehfamilie und ein paar vereinzelte Tiere. Auf dem Weg überraschen wir ein Schneehuhnpaar bei der Balz, er legt sich mächtig ins Zeug, zeigt sein Gefieder und stolziert auf und ab. Sie zeigt sich unbeteiligt und pickt weiter nach Körnern.
Wir setzen uns an einen Picknicktisch an einem kleinen Bach und kochen ein paar Nudeln als ein Schwarzbär inkl. Babybär ca. 100 Meter von uns aus dem Unterholz kommt. Die beiden ignorieren uns, kommen aber auf ihrer Futtersuche bis auf 30 Meter an uns ran bevor sie umdrehen und woanders weiter nach Nahrung suchen.


Aufgrund des nicht geplanten Weges sind wir früh wieder im Camp und können uns noch ein wenig entspannen bevor es morgen wieder auf die Räder geht.

So long, Sven

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